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Weinbars in Venedig: Herzstücke einer außergewöhnlichen Stadt

Weinbars in Venedig: Herzstücke einer außergewöhnlichen Stadt

Weinbars in Venedig: Herzstücke einer außergewöhnlichen Stadt

Wenn man mich fragt, was mir an Venedig besonders gut gefällt, dann ist meine Antwort darauf ganz klar: die Weinbars in Venedig. Und das nicht alleine deshalb, weil ich selber gerne Wein trinke, sondern weil ich in diesen kleinen Bacari das echte venezianische Leben gefunden habe, das man angesichts der Touristenmassen leicht übersehen kann

?????????????Bereits bei der Ankunft an unserem Hotel im Sestiere Canareggio fällt mir an der Ecke die kleine Bar El Sbarlefo auf, die in ihren Glasvitrinen oberhalb des Tresens kleine kulinarische Köstlichkeiten präsentiert. Diese nennt man Cicchetti, und sie werden in Venedig in allen Weinbars als Appetithäppchen angeboten. Man verzehrt sie zu einem kleinen Glas Weißwein, ombra genannt, einem Prosecco oder einem Aperol Spritz. Nach unserer ersten ausgiebigen Stadterkundung kehren wir dann auch hier am späten Nachmittag ein.

olivino-11-2Draußen, an einem Stehtresen genießen wir unseren ersten Aperol Spritz mit Oliven und ein paar Cicchetti, in diesem Fall Crostini mit Stockfischcreme und Thunfischpaste. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich das kleine Bacaro mit einem gemischten Publikum aus Jung und Alt – man kennt sich, und den Barmann. Ein älterer Herr mit einem Buch in der Hand, eine Frau mittleren Alters mit ihren Einkaufstaschen, ein jüngerer Mann in einer Arbeitsuniform – sie alle kehren hier ein, um ein kleines Gläschen im Stehen und dazu ein paar Cicchetti zu sich zu nehmen, und um miteinander ein Pläuschen zu halten. Nach einer kurzen Verweildauer und der Abhandlung des Alltagsgeschehens geht jeder wieder seines Weges. Schon an diesem ersten Abend beneide ich die Venezianer um ihre Bacari.

????????????????????????????????????Unsere Mittagspause am nächsten Tag führt uns in die Nähe des Rialtomarktes, in das Al Merca. Dieses Bacaro ist eine echte Institution in Venedig, es besteht lediglich aus einer kleinen Theke inmitten einer Häuserzeile am Campo Bella Vienna. Hinter der Theke arbeiten zwei freundliche junge Männer, die Wein, Prosecco, Spritz und Cicchetti wie am Fließband aushändigen, und das auch noch gutgelaunt. Wir beobachten zwei junge Mütter mit ihren kleinen Kindern, die hier eine kurze Pause zwischen ihren Tageseinkäufen einlegen. Auf einer Stufe an einem Hauseingang sitzend genießen sie ein Glas Prosecco, die Kinder spielen fangen und stibitzen sich ab und zu kleine Panini von den Plastiktellern ihrer Mütter. Ich bewundere diese beiden jungen Frauen um ihre Gelassenheit.

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Alle Weinbars Venedigs aufzuzählen wäre gar nicht möglich, es gibt etliche. Jedes Viertel besitzt seine eigene Institution. Eine davon, das Al Timon,  in unserem Viertel Canareggio, möchte ich aber noch unbedingt empfehlen. Das Al Timon liegt direkt an einem kleinen Kanal, und einen der dort befindlichen Tische sollte man unbedingt vorher reservieren. Dieses Bacaro ist bereits am frühen Abend überfüllt, die Cicchetti sind himmlisch, der Prosecco ausgezeichnet, das Personal an der Theke trotz des Andrangs sehr nett, nur die beiden Kellner draußen fallen mir wegen ihrer Unfreundlichkeit negativ auf. Wir suchen uns mit unseren Plastiktellern einen Platz auf dem Boden eines des vor dem Timon liegenden Holzbootes und genießen den lauen Sommerabend – und den Augenblick.

Die Venezianer können sich glücklich schätzen, solche Weinbars zu besitzen. Sie sind soziale Treffpunkte für Jung und Alt, Alleinstehende, Einwohner und Touristen gleichermaßen und das Herzstück dieser außergewöhnlichen Stadt. Allein schon ihretwegen, würde ich immer wieder nach Venedig zurückkehren.

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