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Straßensperre im Piemont

Straßensperre im Piemont

Straßensperre im Piemont

Ein herrlicher Sonntag im Piemont, strahlend blauer Himmel und für uns ein terminfreier Tag während unserer herbstlichen Einkaufsreise. Bisher haben wir noch keine Zeit gefunden, um unsere Lieblingstrattoria La Piazzetta in Santo Stefano Belbo aufzusuchen. Deshalb steht heute hier ein Pranzo/Mittagessen im Sonnenschein auf der kleinen Piazza an oberster Stelle unseres Tagesplanes. Später soll es dann noch zum Trüffelfest nach Alba gehen.

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Wir fahren durch das wunderschöne Weinanbaugebiet Barbaresco, passieren die Ortschaften Barbaresco und Neive und nähern uns der kleinen Gemeinde Coazzolo, als uns eine Straßensperre jäh aus unseren Träumen von unserem bevorstehenden Carne Cruda (Kalbstartar piemontesisch) reißt. Eine vorher nicht angekündigte Vollsperrung ohne Alternativroute aufgrund eines Volksfestes überfordert unser Navi und lässt meine Laune umgehend in den Keller sinken – Mist!
Mein rational denkender und immer sehr flexibler Ehemann Dietmar entscheidet, nicht ohne meinen Protest, unser Pranzo bei La Piazzetta ausfallen zu lassen. Schließlich sei ein piemontesisches Volksfest eine echte Alternative zu einem 20 km langen Umweg. Meinerseits sehr widerwillig spazieren wir also in die hübsche Ortschaft Coazzolo.

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Verkaufsstände rechts und links von kleinen regionalen Erzeugern, Essensstände mit typisch piemontesischen Spezialitäten in den privaten Gärten und Höfen der Anwohner, und eine kleine Weinmesse finden wir hier vor.

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Wir treffen Eduardo, den 17-jährigen Sohn unserer Vermieter Lucia und Marzio Carrocci, gekleidet in einem blau-weißen Kostüm, und deren Freund Roberto mit seiner Familie. Eduardo ist mit seiner volkstümlichen Gruppe der jugendlichen Fahnenschwenker „Gli Alfieri“ aus Costigliole d‘Asti hier und wird uns im Laufe unseres Besuchs noch einige Darbietungen zeigen.

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Nachdem wir endlich den Wertmarkenverkauf auf der Dorfpiazza gefunden haben, essen wir in einem Hinterhof Fritto Misto, frittiertes Gemüse mit der würzigen Salsa „Bagna Cauda“, frittierte süße Polenta, Kalbswürstchen und frittiertes Huhn. Dazu gibt es einen Langhe Dolcetto und einen weißen Cortese in Plastikbechern – herrlich!

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Weiter geht es in den nächsten Hinterhof, hier genießen wir einen hervorragenden Langhe Nebbiolo zu Carne Cruda und Vitello Tonnato. Die kulinarische Krönung unseres Nachmittags erleben wir in einem kleinen privaten Garten am Ende der Ortschaft. Bei sehr stimmungsvoller Volksmusik einer Gesangsgruppe serviert uns der Heimatverein einen genialen Nachtisch. Cheesecake mit Cögna Moscato und Salame Dolce – mmh, fantastisch. Dieses Rezept muss ich haben!

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Ich frage die nette Helferin hinter dem Verkaufsstand, eine Frau mittleren Alters. Sehr freundlich erklärt sie mir ihr Rezept für den Cheesecake, eine Art Philadelphia Torte bestehend aus Ricotta, Philadelphia Käse und Gelatine, beträufelt mit der piemontesischen Spezialität Cögna Moscato – ein Traubensenf aus Moscato Trauben. Als ich ihr erkläre, dass mein Mann von der Salame Dolce total begeistert ist, bittet sie mich, 10 Minuten zu warten. Das tun wir gerne, angesichts der guten Unterhaltung und einer erneuten Moscato Degustation. Als sie schließlich zurückkehrt, übergibt sie mir das soeben handschriftlich gefertigte Originalrezept der heute hier servierten Salame Dolce. Ich bin wirklich gerührt von so viel Herzlichkeit und stelle einmal mehr fest, dass Kochen und die Leidenschaft für gutes Essen doch grenzenlos verbindet.

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