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Guyot – eine französische Erziehungsform mit Folgen

Guyot – eine französische Erziehungsform mit Folgen

Guyot – eine französische Erziehungsform mit Folgen

Wir sind im Piemont und deshalb keine Sorge, an dieser Stelle möchte ich keine wissenschaftliche Abhandlung über mir bisher gänzlich unbekannte französische Erziehungsformen schreiben. Gelernt haben wir aber während unseres gestrigen Besuchs bei Luca Sobrino von der Cascina del Cavagnè mal wieder einiges: Guyot ist keine neue Erziehungsform für unsere lieben Kleinen oder Großen – nein, hierbei handelt es sich um ein Fruchtruten-Schnittsystem im Weinbau, erfunden von einem französischen Wissenschaftler und Physiker im 19.Jahrhundert, welches traditionell im Piemont verwendet wird, und welches auch Luca benutzt.

guyot-1Wir erfahren dies bei unserem frühabendlichen Spaziergang in seinen Weinbergen, die von der Kellerei aus fußläufig zu erreichenden sind. Auf 11 Hektar baut Luca hier in Costigliole d’Asti, im Herzen des Montferrato im Piemont, Barbera, Moscato, Chardonnay, Grignolino, Arneis und Pinot Nero an. Wir lernen auf unserem Spaziergang durch die zum Teil sehr steilen Hänge, wie wichtig der Erziehungsschnitt, das regelmäßige Entfernen der Blätter und das Ausbrechen von Trauben sind, um im Herbst eines jeden Jahres auch Trauben von sehr guter Qualität zu ernten. Hier ist also nicht nur das richtige Wetter zum richtigen Zeitpunkt notwendig, sondern auch unglaublich viel Handarbeit vorab erforderlich.

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Soweit das Auge reicht liegen jetzt unter uns Lucas Weinberge. Bei der Vorstellung, sämtliche Reben zu erziehen und auszubrechen, bin ich allerdings sehr froh, dass ich nur darüber schreiben darf und hier nicht selber auch Hand anlegen muss. Doch bei aller „Erziehung“ und Arbeit in den Weinbergen spielt doch immer noch das schon erwähnte Wetter eine entscheidende Rolle. Wir erfahren heute nämlich von Luca, dass wir auf einen Barbera d’Asti Marchin, Jahrgang 2014, gänzlich verzichten müssen.

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Der Wettergott hat im vergangenen Jahr hier nicht mitgespielt, den aus dieser Traube produzierten Wein verkauft Luca an die umliegende Gastronomie  als Vino Sfuso, als offenen Wein in großen Gebinden. Als Vino della Casa wird er dort in großen Krügen ausgeschenkt – sicherlich kein schlechter Wein, aber keiner mit Anspruch, der ihm und auch uns gerecht werden würde. Für einen kleinen Winzer wie Luca Sobrino, hat diese Entscheidung natürlich erhebliche betriebswirtschaftliche Auswirkungen, wir wissen dieses zu schätzen! Es zeigt uns einmal mehr, wie wichtig ihm die Qualität seiner Weine ist.

Im Juni, erzählt uns Luca weiter, ist es ein besonderes Erlebnis abends durch die Weinberge zu streifen. Das ist dann, wenn der Wein blüht und in die Umgebung einen betörenden, süßlichen Duft abgibt. Und wir haben Glück, Luca entdeckt bereits die ersten geöffneten Chardonnayblüten, in die wir unsere Nasen direkt hineinhalten dürfen. Lecker – für uns eine sensorische Weinprobe der besonderen Art! Später am Abend geht es weiter, wir probieren mit Luca am Grill seinen Rosato Sunset 2014. Schon das Einschenken ins Glas macht Spaß, leicht sprudelig, fast wie ein Frizzante, mit tollen Fruchtnoten und einem Alkoholgehalt von nur 11,5 % ist er für uns bereits jetzt der Sommerwein des Jahres 2015!

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Wir freuen uns schon auf morgen, dann probieren wir die übrigen Weine der Cascina del Cavagnè bei einer Degustation in der Kellerei.

Cin cin…

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